PrA beim Dackel

Warum ich über PRA beim Dackel schreibe – Paul
Paul ist ein Langhaardackel.
Er ist an progressiver Retinaatrophie (PRA) erkrankt.
Diese Erkrankung wird im Internet häufig verharmlost. Sie wird als schleichende, schmerzfreie Erblindung beschrieben, mit der Hunde angeblich gut zurechtkommen. Diese Darstellung blendet wesentliche Teile der Realität aus. Ich schreibe diesen Text, weil ich diese Realität täglich erlebe und weil sie für Welpenkäufer, Züchter und auch für viele Halter in dieser Form nicht sichtbar ist.
Frühe Symptome und tägliches Leid
Bei Paul traten die ersten deutlichen Symptome sehr früh auf. Bereits etwa im ersten Lebensjahr zeigte sich eine ausgeprägte Licht- und Sonnenempfindlichkeit. Diese Empfindlichkeit ist kein gelegentliches Problem und kein Randaspekt der Erkrankung, sondern eine dauerhafte und massive Einschränkung.
Sobald die Sonne scheint, kneift Paul die Augen zu. Bei hellem Untergrund, bei Schnee oder starkem Sonnenlicht ist ein normaler Spaziergang ohne Schutz kaum möglich. Paul trägt in solchen Situationen eine Sonnenbrille. Nicht aus modischen Gründen, sondern weil er sonst nicht in der Lage ist, sich draußen sicher zu bewegen. Ohne diesen Schutz schließt er die Augen, bleibt stehen oder wirkt deutlich überfordert.
Diese Lichtempfindlichkeit ist kein Spätsymptom. Sie trat lange vor einer messbaren hochgradigen Sehverschlechterung auf und bestimmt den Alltag seit Jahren. Wer PRA ausschließlich mit dem Begriff Blindheit verbindet, übersieht einen zentralen Teil des Leidens, das diese Hunde bereits in einem frühen Lebensalter haben.
Diagnostik: keine Vermutung, sondern gesicherter Befund
Paul wurde zweimal unabhängig voneinander von spezialisierten Augentierärzten untersucht. Es handelte sich nicht um allgemeine tierärztliche Einschätzungen, sondern um Untersuchungen durch qualifizierte Augenspezialisten, darunter auch ein anerkannter Gutachter.
Die Diagnostik umfasste unter anderem:
- eine DOK-Augenuntersuchung durch einen spezialisierten Augentierarzt
- eine vollständige ERG-Untersuchung (Elektroretinographie)
Diese Untersuchungen lassen keinen Interpretationsspielraum. Die Diagnose PRA wurde eindeutig gestellt und bestätigt. Es handelt sich nicht um eine Verdachtsdiagnose, nicht um eine milde Verlaufsform und nicht um eine theoretische genetische Möglichkeit, sondern um eine nachgewiesene, fortschreitende Erkrankung der Netzhaut.
Der absehbare Verlauf
PRA ist eine progressive Erkrankung. Das bedeutet, dass sich der Zustand nicht stabilisiert und nicht stehen bleibt. Die Netzhaut degeneriert weiter.
Bei Paul ist davon auszugehen, dass er im fünften bis siebten Lebensjahr vollständig erblinden wird. Der genaue Zeitpunkt lässt sich nicht auf einen Tag festlegen, das Ergebnis jedoch schon. PRA endet faktisch in Blindheit. Nicht gelegentlich, nicht häufig, sondern als natürlicher Verlauf der Erkrankung.
Blindheit ist dabei nicht das einzige Problem. PRA erhöht das Risiko für weitere Augenerkrankungen, insbesondere für die Entwicklung eines Glaukoms. Ein Glaukom kann schmerzhaft sein, akut verlaufen und die Lebensqualität zusätzlich massiv beeinträchtigen. Diese mögliche Folge wird in vielen vereinfachten Darstellungen von PRA vollständig ausgeblendet.
Zuchtzulassung und Realität
Zum Zeitpunkt der Diagnose hatte Paul bereits eine schriftlich vorliegende Zuchtzulassung. Es gab konkrete Deckanfragen.
Entscheidend ist:
Für diese Zuchtzulassung war keine verpflichtende klinische Augenuntersuchung vorgeschrieben. Weder eine DOK-Untersuchung noch eine andere spezialisierte augenmedizinische Diagnostik war Voraussetzung.
Ich habe mich früh gewundert, dass keine Augenuntersuchung verlangt wurde. Aus eigener Verantwortung heraus habe ich Paul vor dem ersten geplanten Deckakt einem Augenspezialisten vorgestellt. Ohne diese Entscheidung wäre die Erkrankung zu diesem Zeitpunkt unentdeckt geblieben.
Das ist kein hypothetisches Szenario. Es ist der tatsächliche Ablauf.
Die Konsequenz, die sonst niemand gezogen hätte
Hätte Paul gedeckt , wären alle seine Nachkommen genetisch belastet gewesen. Sie wären mindestens Träger der Erkrankung gewesen, ein Teil von ihnen hätte mit hoher Wahrscheinlichkeit selbst PRA entwickelt, jedenfalls dann, wenn die Muttee Träger der Erkrankung gewesen wäre. Ein Zustand, den beim Langhaardackel ( und auch beim Kurzhaardackel) niemand wissen kann.
Diese Vererbung wäre nicht aus Fahrlässigkeit erfolgt, sondern innerhalb eines Systems, das:
- eine Zuchtzulassung ohne Augenuntersuchung ermöglicht
- Gentests als ausreichende Vorsorge erscheinen lässt
- klinische Diagnostik nicht zwingend vorsieht
Die Erkrankung wäre weitergetragen worden, ohne dass irgendjemand bewusst falsch gehandelt hätte. Genau das macht die Problematik so gravierend.
Warum dieser Abschnitt notwendig ist
PRA beim Dackel wird häufig als theoretisches genetisches Risiko beschrieben. Paul zeigt, dass es sich um eine konkrete, lebensbestimmende Erkrankung handelt. Sie beginnt früh, sie schreitet fort, sie endet in Blindheit und sie kann mit weiteren, schmerzhaften Augenerkrankungen einhergehen.
Die Darstellung von PRA beim Dackel als gut kompensierbar oder nicht so schlimm hält der Realität nicht stand. Sie entsteht durch Verkürzungen, durch falsche Gleichsetzungen von Gentests und Augenuntersuchungen und durch das Fehlen realer Verlaufsbeschreibungen.
Ich schreibe diesen Text nicht, um zu polarisieren. Ich schreibe ihn, weil ich erlebt habe, wie leicht PRA beim Dackel übersehen wird und wie groß die Folgen sind, wenn man sich auf formale Zulassungen und scheinbare Absicherungen verlässt.
Paul ist kein Einzelfall in seinem Wurf
Paul ist nicht der einzige Hund aus seinem Wurf, bei dem PRA diagnostiziert wurde.
Zwei seiner Geschwister ist ebenfalls nachweislich an PRA erkrankt. Die Erkrankung betrifft also nicht nur ein einzelnes Tier, sondern mehrere Nachkommen desselben Wurfes. Andere Geschwister sind nie untersucht worden, mit einigen wurde weitergezüchtet, ohne zu wissen, ob sie erkrankt sind oder nicht. Auflagen oder Zuchtverbote gab es nie.
PRA ist eine fortschreitende, unheilbare Erkrankung. Auch bei ihnen zeigen sich die typischen Symptome und der absehbare Verlauf hin zur vollständigen Erblindung.
Trotzdem wurden die Elterntiere weiterhin in der Zucht eingesetzt. Die Tatsache, dass mehrere Nachkommen eines Wurfes an PRA erkrankt sind, führte nicht automatisch zu Konsequenzen für die weitere Zuchtverwendung der Eltern.
Damit wird deutlich, dass es sich bei PRA nicht um einen unvorhersehbaren Einzelfall handelt, sondern um ein weitergegebenes genetisches Problem, das innerhalb eines bestehenden Systems nicht zuverlässig erkannt und nicht begrenzt wird.
Dieser Punkt ist zentral.
Wenn selbst mehrere erkrankte Nachkommen eines Wurfes nicht dazu führen, Zuchtentscheidungen grundsätzlich zu hinterfragen, dann liegt das Problem nicht bei einzelnen Hunden oder Haltern, sondern in der Art, wie Risiken bewertet und kommuniziert werden.
Progressive Retinaatrophie beim Dackel

PRA beim Dackel
2. Was PRA beim Dackel tatsächlich ist
PRA beim Dackel ist keine einzelne klar umrissene Krankheit. Der Begriff steht für eine Gruppe fortschreitender Netzhauterkrankungen, bei denen die lichtempfindlichen Zellen der Netzhaut nach und nach ihre Funktion verlieren. Die Netzhaut ist für die Umwandlung von Lichtreizen in Sehinformationen verantwortlich. Wenn diese Zellen degenerieren, nimmt die Sehfähigkeit ab, dauerhaft und unumkehrbar.
PRA beim Dackel ist nicht heilbar. Der Krankheitsverlauf ist progressiv. Das bedeutet, dass sich der Zustand nicht stabilisiert, sondern fortschreitet. Am Ende des Verlaufs steht die vollständige Erblindung. Der Zeitpunkt kann variieren, das Ergebnis nicht.
Viele Darstellungen im Internet reduzieren PRA beim Dackel auf den Satz, der Hund werde irgendwann blind. Diese Verkürzung unterschlägt entscheidende Aspekte. PRA beim Dackel beeinflusst den Alltag häufig schon Jahre vor der vollständigen Erblindung. Besonders typisch sind Probleme bei wechselnden Lichtverhältnissen, bei starker Helligkeit oder bei reflektierendem Untergrund.
Ein weiterer Punkt, der häufig ausgeblendet wird: PRA bleibt nicht zwangsläufig auf die Netzhaut beschränkt. Im Verlauf können sekundäre Augenerkrankungen auftreten, darunter Linsentrübungen und insbesondere ein Glaukom. Ein Glaukom kann schmerzhaft sein und stellt eine zusätzliche massive Belastung für den Hund dar.
Quellen zu Abschnitt 2
- Petersen-Jones S.M., Komáromy A.M.: Progressive retinal atrophy in dogs, Veterinary Clinics of North America: Small Animal Practice
- Gelatt K.N.: Veterinary Ophthalmology, Kapitel zu retinalen Degenerationen
- ACVO (American College of Veterinary Ophthalmologists): Übersichtsartikel zu PRA
3. Warum „PRA beim Dackel“ kein einheitliches Krankheitsbild ist
Ein zentraler Fehler vieler Texte besteht darin, PRA beim Dackel als einheitliche genetische Erkrankung darzustellen. Tatsächlich handelt es sich um unterschiedliche Formen erblicher Netzhautdegenerationen, die sich in Verlauf, Beginn und genetischem Hintergrund unterscheiden.
Bei Rod-Cone-Degenerationen verlieren zunächst die Stäbchen ihre Funktion. Das führt früh zu Problemen im Dämmerungs- und Nachtsehen. Später verschlechtert sich auch das Sehen bei Tageslicht bis zur vollständigen Erblindung.
Bei Cone-Rod-Degenerationen stehen Einschränkungen bei hellem Licht, Kontrasten und häufig auch eine ausgeprägte Lichtempfindlichkeit im Vordergrund. Erst später kommt es zu einem Verlust der Stäbchenfunktion. Im Dackelbereich wird in diesem Zusammenhang häufig von cone-rod-Dystrophien gesprochen.
Gerade bei diesen Formen ist die genetische Situation komplex. In der Fachliteratur wird beschrieben, dass bei bestimmten genetischen Varianten die Penetranz unvollständig ist. Das bedeutet, dass nicht jeder Hund mit der entsprechenden genetischen Veränderung klinisch erkrankt. Umgekehrt kann ein Hund klinisch erkrankt sein, obwohl ein getesteter Gendefekt nicht nachgewiesen wird.
Diese Diskrepanz zwischen genetischem Befund und klinischer Erkrankung ist entscheidend. Sie erklärt, warum ein einzelner Gentest niemals geeignet ist, PRA beim Dackel zuverlässig auszuschließen.
Quellen zu Abschnitt 3
- Zangerl B. et al.: Phenotypic variation in canine cone-rod dystrophy associated with RPGRIP1
- Mellersh C. et al.: Studien zur genetischen Heterogenität retinaler Erkrankungen beim Hund
- OFA / CERF: Fachinformationen zu PRA-Formen
4. Diagnostik bei PRA beim Dackel: Warum Augenuntersuchungen entscheidend sind
Die verlässliche Diagnose von PRA beim Dackel erfolgt nicht im Labor, sondern durch spezialisierte augenärztliche Untersuchungen.
Eine fundierte Diagnostik umfasst:
- eine klinische Untersuchung durch einen Tierarzt mit Schwerpunkt Augenheilkunde
- eine gezielte Beurteilung der Netzhaut
- bei Bedarf ergänzende Funktionsdiagnostik
Eine zentrale Rolle spielt dabei die Elektroretinographie (ERG). Mit dieser Untersuchung wird die elektrische Antwort der Netzhaut auf definierte Lichtreize gemessen. Das ERG kann Funktionsverluste der Netzhaut nachweisen, bevor eindeutige strukturelle Veränderungen sichtbar sind. Gerade bei frühen oder unklaren Befunden ist diese Untersuchung von hoher diagnostischer Bedeutung.
Eine klare Trennung ist entscheidend:
- Eine Augenuntersuchung beurteilt den tatsächlichen Zustand des Auges.
- Ein Gentest prüft ausschließlich das Vorhandensein einer bestimmten genetischen Variante.
Diese Ebenen sind nicht austauschbar.
Quellen zu Abschnitt 4
- Narfström K. et al.: Electroretinographic testing in the diagnosis of inherited retinal diseases in dogs
- ACVO Leitlinien zur ophthalmologischen Diagnostik
- Gelatt K.N.: Veterinary Ophthalmology, Abschnitt ERG
5. Gentests bei PRA beim Dackel: Warum sie häufig falsche Sicherheit erzeugen
Im Zusammenhang mit PRA beim Dackel werden Gentests häufig als Vorsorgemaßnahme dargestellt. Begriffe wie „Untersuchung“, „frei getestet“ oder „Zuchtkontrolle“ vermitteln den Eindruck, das Risiko sei zuverlässig erfasst. Diese Vorstellung ist falsch.
Ein Gentest kann ausschließlich prüfen, ob eine ganz bestimmte genetische Variante vorliegt. Er kann keine anderen Ursachen erfassen. Er kann keine Aussage über den aktuellen Zustand der Netzhaut treffen. Und er kann eine klinische Erkrankung nicht ausschließen, wenn diese auf anderen genetischen oder bislang nicht identifizierten Faktoren beruht.
Gerade im Dackelbereich ist diese Einschränkung zentral. Für bestimmte Linien existieren Tests auf bekannte Varianten. Selbst dort ist die Aussagekraft begrenzt, weil nicht jeder genetisch betroffene Hund klinisch erkrankt und weil zusätzliche genetische Faktoren eine Rolle spielen können.
Beim Langhaardackel ist die Situation besonders problematisch. Hier werden Gentests angeboten, die für die tatsächlich auftretenden Formen von PRA beim Dackel keine verlässliche Aussagekraft besitzen.
Bei Paul wurde rein interessehalber ein genetischer Test durchgeführt. Das Testergebnis lautete „PRA frei“. Gleichzeitig ist Paul durch spezialisierte augenärztliche Diagnostik eindeutig an PRA beim Dackel erkrankt, bestätigt durch DOK-Untersuchung und ERG.
Das ist kein Widerspruch.
Der Test hat lediglich gezeigt, dass die getestete Variante nicht vorliegt.
Ein Gentest ist kein Augengesundheitsnachweis.
Ein Gentest ist ein Variantennachweis.
Quellen zu Abschnitt 5
- Zangerl B. et al.: RPGRIP1-assoziierte cone-rod-Dystrophie
- OFA / CERF Hinweise zur begrenzten Aussagekraft genetischer Tests
- ACVO Stellungnahmen zu genetischer Diagnostik vs. klinischer Untersuchung
PRA beim Dackel
6. Zucht, Verantwortung und warum PRA beim Dackel systemisch weitergegeben wird
PRA beim Dackel ist kein seltenes Einzelproblem und kein Zufallsbefund. Die Erkrankung wird weitergegeben, weil Strukturen das ermöglichen. Dabei geht es nicht um Schuld einzelner Personen, sondern um die Art, wie Risiken definiert, benannt und kontrolliert werden.
Ein zentraler Punkt ist die Trennung zwischen Zuchtzulassung und tatsächlicher Gesundheitsvorsorge. Beim Dackel ist es möglich, eine Zuchtzulassung zu erhalten, ohne dass eine klinische Augenuntersuchung durch einen spezialisierten Augentierarzt durchgeführt wurde. Gentests werden dabei häufig als Ersatz verstanden, obwohl sie diese Rolle fachlich nicht erfüllen können.
Besonders problematisch wird das, wenn:
- PRA in einem Wurf auftritt
- mehrere Geschwister betroffen sind
- trotzdem keine verbindlichen Konsequenzen für die weitere Zuchtverwendung gezogen werden
In solchen Fällen wird PRA beim Dackel nicht verhindert, sondern statistisch weitergetragen. Nicht aus böser Absicht, sondern weil die Erkrankung im System nicht als ausreichend schwerwiegend behandelt wird.
Hinzu kommt ein weiterer Aspekt, der beim Dackel besonders relevant ist:
Die Rasse ist genetisch eng. Linien werden über Jahre geführt. Ein einzelner erkrankter Deckrüde oder eine betroffene Hündin kann dadurch überproportionalen Einfluss auf die Population haben.
Wenn in diesem Kontext auf Gentests vertraut wird, die die tatsächlich auftretenden PRA-Formen beim Dackel nicht zuverlässig erfassen, entsteht eine Scheinsicherheit mit realen Folgen.
Quellen zu Abschnitt 6
- Mellersh C.S.: DNA testing and breeding strategies in inherited canine diseases
- ACVO: Empfehlungen zur Zucht bei erblichen Augenerkrankungen
- Fachliteratur zur Populationsgenetik beim Dackel
7. Typische Missverständnisse von Welpenkäufern bei PRA beim Dackel
PRA beim Dackel wird nicht nur durch unklare Zuchtstrukturen weitergegeben, sondern auch durch Missverständnisse auf Käuferseite, die systematisch entstehen.
Das häufigste Missverständnis lautet:
„Der Hund ist untersucht.“
In der Realität bedeutet das oft:
- Es wurde ein Gentest durchgeführt
- Es liegt ein Laborergebnis vor
- Es wurde keine klinische Augenuntersuchung gemacht
Für Welpenkäufer ist dieser Unterschied kaum erkennbar, weil Begriffe wie „Test“, „Untersuchung“ oder „frei“ suggerieren, es handele sich um eine medizinische Absicherung.
Ein weiteres Missverständnis betrifft den zeitlichen Aspekt:
„Der Hund sieht doch noch gut.“
PRA beim Dackel beginnt oft lange vor der Blindheit. Frühe Symptome wie Lichtempfindlichkeit, Nachtblindheit, Unsicherheit bei bestimmten Lichtverhältnissen oder verändertes Verhalten werden selten als Krankheitsanzeichen erkannt. Das führt dazu, dass betroffene Hunde als gesund wahrgenommen werden, obwohl die Erkrankung bereits aktiv ist.
Ein drittes Missverständnis betrifft die Vererbung:
„Wenn die Eltern gesund wirken, ist der Nachwuchs sicher.“
Gerade bei PRA beim Dackel ist diese Annahme gefährlich. Die Erkrankung kann bei Elterntieren klinisch noch nicht sichtbar sein oder genetisch nicht über den getesteten Marker erfasst werden. Das bedeutet: Unauffällige Elterntiere schließen PRA beim Nachwuchs nicht aus. Die Elterntiere können auch gesund sein, es brauchen nur zwei Trägertiere verpaart werden, schon gibt es erkrankte Nachkommen. Pauls Eltern sind somit zu 100% Sicherheit Träger von PrA.
Quellen zu Abschnitt 7
- OFA / CERF: Informationen für Käufer zu erblichen Augenerkrankungen
- ACVO: Aufklärungsmaterial zu PRA und Käufererwartungen
- Fachartikel zur Früherkennung retinaler Degenerationen beim Dackel
8. Warum Begriffe wie „frei getestet“ bei PRA beim Dackel in die Irre führen
Die Sprache rund um PRA beim Dackel ist ein zentrales Problem. Bestimmte Begriffe werden verwendet, ohne dass ihre Bedeutung klar definiert wird.
Der Begriff „frei getestet“ bedeutet:
- Eine bestimmte genetische Variante wurde nicht nachgewiesen
Er bedeutet nicht:
- Der Hund ist augengesund
- Der Hund wird keine PRA entwickeln
- Der Hund kann PRA nicht vererben
Diese sprachliche Verkürzung ist besonders problematisch beim Langhaardackel, weil dort die getesteten Varianten nicht die tatsächlich auftretende PRA-Form abbilden.
Ein weiterer irreführender Begriff ist „Zuchtkontrolle“. Kontrolle suggeriert Sicherheit. In Wirklichkeit handelt es sich oft um einen einzelnen technischen Prüfschritt, der weder klinische Diagnostik ersetzt noch komplexe genetische Zusammenhänge berücksichtigt.
Für PRA beim Dackel gilt:
Sprache entscheidet darüber, wie Risiken wahrgenommen werden.
Solange Gentests als vollwertige Gesundheitsprüfung dargestellt werden, bleibt die Erkrankung unterschätzt.
Quellen zu Abschnitt 8
- Mellersh C.S.: Misinterpretation of genetic tests in canine breeding
- ACVO Stellungnahmen zur Kommunikation genetischer Testergebnisse
- Veterinärmedizinische Fachartikel zu Risikokommunikation
9. Was bei PRA beim Dackel tatsächlich sinnvoll ist
Wer PRA beim Dackel ernst nimmt, muss zwischen Machbarem und Illusionen unterscheiden.
Sinnvoll sind:
- regelmäßige klinische Augenuntersuchungen bei Zuchttieren
- Untersuchung durch qualifizierte Augenspezialisten
- Dokumentation von Befunden über mehrere Jahre
- Transparenz über erkrankte Geschwister und Linien
Nicht sinnvoll ist:
- der alleinige Rückgriff auf Gentests
- die Annahme, ein negatives Testergebnis bedeute Entwarnung
- das Ignorieren früher Symptome
Für Halter bedeutet das:
PRA beim Dackel lässt sich nicht „wegtesten“.
Sie lässt sich nur ernst nehmen, erkennen und begrenzen.
Quellen zu Abschnitt 9
- ACVO Leitlinien zur Vorsorge bei erblichen Augenerkrankungen
- Gelatt K.N.: Veterinary Ophthalmology
- Fachliteratur zur klinischen Verlaufsbeobachtung bei PRA
10. Fazit: Warum PRA beim Dackel neu eingeordnet werden muss
PRA beim Dackel ist eine schwerwiegende, fortschreitende Erkrankung. Sie beginnt früh, sie endet in Blindheit und sie kann mit weiteren schmerzhaften Augenerkrankungen verbunden sein. Trotzdem wird sie im Netz häufig verharmlost.
Diese Verharmlosung entsteht durch:
- unklare Sprache
- Überschätzung genetischer Tests
- fehlende klinische Vorsorge
- mangelnde Konsequenzen in der Zucht
Wer PRA beim Dackel wirklich verstehen will, muss bereit sein, über Laborzettel hinauszudenken. Die Erkrankung betrifft reale Hunde, reale Halter und reale Lebensqualität.
Dieser Text wurde geschrieben, um genau das sichtbar zu machen.
Quellen zu Abschnitt 10
- ACVO: Überblick zu PRA und Lebensqualität betroffener Hunde
- Veterinärmedizinische Übersichtsarbeiten zu retinalen Degenerationen
- Fachartikel zur ethischen Verantwortung in der Hundezucht
PRA beim Dackel
11. Zuchtzulassung im DTK – was tatsächlich vorgeschrieben ist und was nicht
Im Zusammenhang mit PRA beim Dackel wird häufig behauptet, eine Augenuntersuchung sei im Rahmen der Zuchtzulassung verpflichtend vorgeschrieben. Ein Blick in die gültigen Zucht- und Eintragungsbestimmungen (ZEB) des Deutschen Teckelklubs zeigt jedoch ein anderes Bild.
Die folgenden Aussagen stützen sich ausschließlich auf die schriftlich festgelegten Regelungen. Es geht hier nicht um Auslegung, sondern um das, was verbindlich geregelt ist – und um das, was dort fehlt.
11.1 Gesundheit in der DTK-Zuchtzulassung – Grundsatzformulierung
In den Zuchtbestimmungen findet sich zunächst eine allgemeine Formulierung:
„Es darf nur mit gesunden Hunden gezüchtet werden.“
Diese Aussage ist bewusst allgemein gehalten. Sie definiert keine konkrete Diagnostik und keine spezifische Untersuchungsmethode für bestimmte Erkrankungen wie PRA beim Dackel.
Entscheidend ist daher, welche Gesundheitsüberprüfungen konkret benannt und verpflichtend geregelt sind.
11.2 Gesundheitsüberprüfungen laut ZEB – wörtlicher Inhalt
In den ZEB werden die verpflichtenden Gesundheitsüberprüfungen explizit aufgelistet. Für die einzelnen Teckelschläge sind DNA-Tests, nicht aber klinische Augenuntersuchungen vorgesehen.
Wörtlich heißt es unter dem Punkt Gesundheitsüberprüfungen:
„Gesundheitsüberprüfungen:
Rauhaarteckel: OI, CRD-PRA
Kurzhaarteckel:
Zwerg- und Kaninchenteckel: CDN/GST1“
Diese Auflistung ist eindeutig:
- Es handelt sich um genetische Tests
- Es handelt sich nicht um augenärztliche Untersuchungen
- Eine klinische Untersuchung der Augen wird nicht genannt
11.3 CRD-PRA im DTK-Regelwerk – wörtliches Zitat
Besonders relevant für die PRA-Diskussion ist der Abschnitt CRD-PRA (Cone-Rod-Dystrophy-1). Dort heißt es ausdrücklich:
„CRD-PRA (Cone-Rod-Dystrophy-1)
Testpflicht: Bei Rauhaarteckeln muss vor der Anpaarung sichergestellt sein, dass mindestens ein Elternteil CRD-PRA-frei getestet ist.“
Wichtig ist hier die präzise Formulierung:
- Testpflicht
- CRD-PRA-frei getestet
- keine Rede von einer Augenuntersuchung
- keine Rede von DOK- oder ECVO-Untersuchungen
Damit ist klar:
CRD-PRA wird im DTK-System als genetischer Test behandelt, nicht als klinisch zu untersuchende Augenerkrankung.
11.4 Was für Langhaardackel geregelt ist – und was nicht
Für Langhaardackel findet sich in den ZEB keine verpflichtende PRA-bezogene Augenuntersuchung.
Einzige explizite Regelung für Langhaardackel betrifft CDN/GST1, und auch diese nur unter bestimmten Voraussetzungen:
„Langhaarteckel aus Kurzhaarverpaarungen vor Erhalt der Zuchttauglichkeit negativ auf CDN/GST1 getestet sein.“
Diese Regelung:
- betrifft keine PRA-Form
- betrifft keine Augenuntersuchung
- betrifft nur einen genetischen Defekt (MYO5A/CDN)
Für PRA beim Langhaardackel existiert keine verpflichtende klinische Vorsorge im Rahmen der Zuchtzulassung.
11.5 Vorläufige und endgültige Zuchtzulassung – weiterer Kontext
Die ZEB regeln außerdem die Zuchtzulassung selbst:
„Eine Zuchtzulassung kann bereits ab 15 Monaten erfolgen, gilt aber nur vorläufig bis zum 24. Lebensmonat.“
Pflichtuntersuchungen in diesem Zusammenhang betreffen unter anderem:
- Röntgenuntersuchungen (Rückenscreening)
- Altersgrenzen
- formale Voraussetzungen
Auch hier gilt:
Eine augenärztliche Untersuchung zur Erkennung von PRA beim Dackel ist nicht Bestandteil der verpflichtenden Zuchtzulassung.
11.6 Was daraus sachlich folgt
Aus den DTK-Zucht- und Eintragungsbestimmungen ergibt sich eindeutig:
- PRA beim Dackel wird nicht über verpflichtende klinische Augenuntersuchungen abgesichert
- Stattdessen werden DNA-Tests als Gesundheitsüberprüfung geführt
- Diese Tests erfassen nur einzelne genetische Varianten
- Für Langhaardackel gibt es keine verbindliche PRA-bezogene Augenuntersuchung
- Ein Hund kann eine gültige Zuchtzulassung besitzen, ohne dass seine Augen jemals fachärztlich untersucht wurden
Damit ist die verbreitete Aussage, PRA sei über die Zuchtzulassung automatisch berücksichtigt oder ausgeschlossen, schriftlich nicht gedeckt.
11.7 Einordnung im Kontext von PRA beim Dackel
PRA beim Dackel ist eine Erkrankung mit:
- spätem klinischem Auftreten
- früher funktioneller Einschränkung
- unvollständiger genetischer Abdeckung
- fehlender Heilungsmöglichkeit
Wenn in einem solchen Krankheitsbild:
- keine verpflichtende Augenuntersuchung vorgesehen ist
- Gentests als Gesundheitsüberprüfung gelten
- und selbst mehrere erkrankte Nachkommen keine automatische Konsequenz auslösen
dann erklärt sich, warum PRA beim Dackel nicht verhindert, sondern weitergegeben wird.
Nicht aus Unwissen.
Nicht aus bösem Willen.
Sondern weil es so im System angelegt ist.
Quellen zu Abschnitt 11
- Deutscher Teckelklub (DTK): Zucht- und Eintragungsbestimmungen (ZEB), aktuelle Fassung
- DTK: Matrix der verpflichtenden DNA-Untersuchungen
- DTK: Regelungen zu Zuchtzulassung, vorläufiger Zuchtzulassung und Pflichtuntersuchungen
12. PRA-Lösungen in anderen Zuchtverbänden – was funktioniert und was der DTK nicht nutzt
Viele Menschen behaupten:
„Beim PRA-Problem gibt es keine Lösung.“
Das ist falsch.
Ein Blick auf andere Zuchtverbände zeigt: Ja — es gibt funktionierende Strategien, die PRA in einer Population massiv reduzieren oder sogar nahezu eliminieren können. Beim Dackel werden diese Strategien im DTK-System nicht umgesetzt — und genau das erklärt, warum PRA beim Dackel weitergegeben wird.
12.1 Beispiel Flat-Coated Retriever: PRA-Kontrolle durch Augenuntersuchungen
Ein bekanntes Beispiel aus der Praxis sind die Flat-Coated Retriever (FCR).
In den 1990er Jahren gab es dort ebenfalls PRA Fälle, in verschiedenen Ländern. Bis dahin wurde ähnlicher genetischer Ansatz verfolgt wie heute beim Dackel: genetische Tests neben Vereinssprachregelungen.
Dann haben Dachverband und Zuchtvereine gemeinsam eine verbindliche Regelung eingeführt:
✅ verpflichtende Augenuntersuchung durch spezialisierte augenärztliche Diagnostik bei jedem Zuchttier
✅ die Motivation viele Nachkommen — auch Nichtzuchthunde — augenärztlich untersuchen zu lassen
✅ frei zugängliche Datenbank mit offenen Ergebnissen für alle Zucht- und Gesundheitstests
Die Konsequenz war messbar:
- PRA-Fälle wurden früh erkannt
- betroffene Linien wurden konsequent untersucht
- Eltern erkrankter Tiere wurden nicht weiter verpaart
- Zuchtentscheidungen basierten auf klinischen Befunden
Ergebnis über Jahre:
kein PRA-Fall mehr in der FCR-Population über sehr lange Zeiträume.
Das ist dokumentiert in veterinärmedizinischen Zuchtberichten und Datenbanken, die offen zugänglich sind.
Das zeigt:
➡ PRA kann durch klinische Diagnostik plus konsequente Maßnahme eliminiert werden.
➡ Genetische Tests allein reichen nicht.
12.2 Was in anderen Verbänden selbstverständlich ist
In vielen anderen großen Rassehundevereinen gehört Folgendes zur Zuchtpraxis:
📍 Verpflichtende augenärztliche Untersuchung bei Zuchttieren
→ unabhängig davon, ob ein Gentest gemacht wurde
📍 Empfohlene oder verpflichtende Augenuntersuchung bei allen Nachkommen
→ nicht nur bei Zuchtanwärtern
📍 Öffentlich einsehbare Gesundheitsdatenbank
→ Käufer und Halter sehen vor dem Kauf, welche Befunde existieren
📍 Registrierung aller festgestellten Erkrankungen im Zuchtbuch
→ nicht „auf Antrag“, sondern automatisch
Dadurch entsteht:
✅ Transparenz
✅ Daten über Trends
✅ frühzeitiges Erkennen
✅ Vermeidung von Verpaarungen, die Krankheiten verstärken
12.3 Warum diese Strategien beim Dackel fehlen
Beim Dackel im DTK-System gilt dagegen:
🔹 Es besteht keine Verpflichtung zur klinischen Augenuntersuchung vor Zuchteinsatz
→ auch wenn bei einem Hund PRA diagnostiziert wurde, geschieht häufig nichts systemisches
🔹 Gentests werden als Ersatz für klinische Diagnose wahrgenommen, obwohl sie das nicht sind
→ das erzeugt falsche Sicherheit
🔹 Es gibt keine öffentlich zugängliche Gesundheitsdatenbank, in der Ergebnisse offengelegt werden
→ Welpenkäufer können vor dem Kauf nicht recherchieren, welche PRA-Fälle oder andere Krankheiten in der Linie existieren
🔹 Kranke Tiere werden nicht automatisch im Zuchtbuch vermerkt
→ einzig auf eigenen Antrag des Halters
Das bedeutet faktisch:
Ein Welpenkäufer kann einen Dackel erwerben, ohne dass eine einzige klinische Augenuntersuchung bei den Eltern je stattgefunden hat und ohne, dass das Zuchtbuch darüber Auskunft gibt.
12.4 Der Unterschied zwischen DTK und anderen Verbänden — am Beispiel Augenuntersuchung
Beispiel Flatcoated Retriever
Der entscheidende Unterschied zwischen dem Umgang mit PRA in anderen Zuchtverbänden und dem Umgang mit PRA beim Dackel im DTK liegt nicht im guten Willen einzelner Personen, sondern in den verbindlichen Strukturen.
Bei Zuchtverbänden wie denen der Flat-Coated Retriever (zb DRC) gelten seit vielen Jahren klare und einheitliche Regeln:
In diesen Verbänden ist eine klinische Augenuntersuchung durch spezialisierte Augentierärzte vor dem Zuchteinsatz verpflichtend.
Ein genetischer Test gibt es bei Flats nicht, nur beim Golden Retriever und niemand würde auf die Idee kommen, dass dieser Gentest ausreicht.
Zusätzlich werden nicht nur Zuchttiere, sondern auch Nachkommen aus Würfen systematisch untersucht. Dabei spielt es keine Rolle, ob diese Hunde später selbst in die Zucht gehen oder ausschließlich als Familienhunde gehalten werden.
Die Ergebnisse dieser Untersuchungen werden zentral erfasst und dauerhaft dokumentiert. Sie fließen in offen einsehbare Gesundheitsdatenbanken ein, auf die Züchter und Welpenkäufer bereits vor dem Kauf Zugriff haben.
Festgestellte Erkrankungen wie PRA werden automatisch im Zuchtbuch vermerkt. Diese Einträge sind nicht optional, sie erfolgen unabhängig davon, ob der Halter eine Veröffentlichung wünscht oder nicht.
Auf dieser Basis können Zuchtentscheidungen getroffen werden, die sich an realen, klinisch bestätigten Daten orientieren und nicht nur an einzelnen genetischen Markern.
Beim Dackel im DTK-System stellt sich die Situation grundlegend anders dar:
Es besteht keine verpflichtende klinische Augenuntersuchung vor der Zuchtzulassung oder dem Zuchteinsatz, auch nicht im Hinblick auf PRA beim Dackel.
Gentests werden als Gesundheitsüberprüfung geführt, obwohl sie keine Aussage über den tatsächlichen Zustand der Augen treffen können.
Untersuchungen von Nachkommen sind nicht verpflichtend. Die überwiegende Mehrheit der Welpen aus einem Wurf wird nie augenärztlich untersucht, auch nicht, wenn sie für die Zucht vorgesehen sind.
Es existiert keine öffentlich zugängliche Gesundheitsdatenbank, in der Welpenkäufer vor dem Kauf nachvollziehen können, welche Erkrankungen in einer Linie bereits aufgetreten sind.
Selbst wenn bei einem Dackel PRA diagnostiziert wird, erfolgt keine automatische Eintragung dieser Erkrankung ins Zuchtbuch. Die Eintragung muss aktiv beantragt werden und kann faktisch auch unterbleiben.
Diese strukturellen Unterschiede erklären, warum PRA in Populationen wie den Flat-Coated Retrievern über Jahre hinweg erfolgreich kontrolliert und nahezu eliminiert werden konnte, während PRA beim Dackel weiterhin auftritt und weitergegeben wird.
Es fehlt nicht an Wissen.
Es fehlt nicht an Beispielen funktionierender Lösungen.
Es fehlt an der konsequenten Umsetzung vergleichbarer Strukturen.
12.5 Warum klinische Daten wichtiger sind als Gentests
Flat-Coated Retriever haben durch klinische Diagnostik:
✅ frühere Erkennung
✅ echte Verlaufskontrolle
✅ objektive Daten statt nur genetischer Marker
✅ dokumentierte Trends über Jahrzehnte
Beim Dackel hingegen:
❌ verlassen sich viele auf genetische Tests einzelner Varianten
❌ gibt es keine Erfassung aller Nachkommen
❌ fehlt die klinische Datenbasis für Populationstrends
Damit entsteht im Dackelbereich ein strukturelles Daten- und Entscheidungsdefizit, das bei Flat-Coated Retrievern bewusst eliminiert wurde.
12.6 Warum das für PRA beim Dackel relevant ist
- beim Dackel werden nur ganz selten Nachkommen klinisch Augen untersucht
- Welpenkäufer sind nicht verpflichtet, ihren Hund untersuchen zu lassen
- auch Diagnosen wie Bandscheibenvorfälle oder Epilepsie werden meist nicht registriert
- Ich musste regelrecht kämpfen, damit Pauls PRA-Diagnose im Zuchtbuch eingetragen wurde
All diese Punkte zeigen:
➡ Das System des DTK nutzt nicht die Instrumente, die in anderen Verbänden längst Standard sind.
➡ Dadurch fehlen strukturierte Daten über PRA beim Dackel.
➡ Dadurch kann PRA nicht systematisch verhindert werden.
Quellen zu Abschnitt 12 (Belege für funktionierende Lösungen)
✅ Daten zu Flat-Coated Retriever PRA-Elimination
- Riemann, M. et al. „Evaluation of progressive retinal atrophy and the effect of mandatory eye testing in Flat-Coated Retrievers.“ Veterinary Ophthalmology, 2000er Jahre (Studienüberblick)
- Breed Health Reports und Zuchtstatistiken aus FCR-Datenbanken (öffentlich einsehbar)
✅ ACVO / International ophthalmologic guidelines zur Zuchtpraxis
- ACVO Position Statements: Screening recommendations for hereditary eye diseases in dogs
✅ Beispiele offener Gesundheitsdatenbanken anderer Verbände
- SKC (Schweden) Augenbefunde öffentlich Rasdata ( Rasdata zeigt auch die Dackelergebnisse)
- UK Kennel Club – Breed Health Data
- DRC Deutscher Retrieverclub öffentlich
- Finnischer Retrieverclub öffentlich
- Flatcoated data
Deutschland: So ist PRA beim Flat-Coated Retriever im DRC geregelt, und warum das beim Dackel fehlt
In Deutschland zeigt die Zuchtordnung des Deutschen Retriever Club (DRC) beim Flat-Coated Retriever, dass es sehr wohl möglich ist, erblichen Augenerkrankungen wie PRA nicht nur mit Gentests zu begegnen, sondern mit verbindlicher klinischer Diagnostik.
1) Augenuntersuchung ist im DRC als Zuchtvoraussetzung verankert
In der DRC-Zuchtordnung für Flat-Coated Retriever wird eine gültige Augenuntersuchung im Zusammenhang mit Zuchtverwendung ausdrücklich verlangt. Unter anderem wird geregelt, dass sich Deckrüdenbesitzer und Zuchthündinnenbesitzer vor dem Deckakt vom Vorliegen einer gültigen Zuchtzulassung und Augenuntersuchung überzeugen müssen.
Zusätzlich wird in den DRC-Dokumenten klar beschrieben, dass die Augenuntersuchung zeitlich befristet gültig ist. In älteren und neueren Fassungen findet sich dieselbe Grundlogik: Zum Zeitpunkt einer Zuchtverwendung darf die Augenuntersuchung nicht älter als 24 Monate sein.
Das ist der Kernunterschied zum Dackel im DTK:
Beim Flat-Coated Retriever im DRC ist die klinische Augenuntersuchung als Voraussetzung für Zuchtverwendung strukturell vorgesehen, nicht nur ein Gentest.
2) In der DRC-Zuchtordnung gibt es konkrete Risikoregeln rund um PRA
Besonders relevant für deinen Vergleich: In der DRC-Zuchtordnung werden nicht nur Zuchttiere allgemein erwähnt, sondern es werden Risikogruppen rund um PRA ausdrücklich benannt, zum Beispiel Eltern von an PRA erkrankten Hunden und direkte Nachkommen.
Damit ist PRA nicht nur „irgendwo im Hintergrund“, sondern wird als reales Zuchtrisiko behandelt und in Regeln übersetzt.
3) Grundlage in Deutschland: DOK und nationales Untersuchungsprogramm
In Deutschland existiert zudem ein etabliertes System zur Untersuchung erblicher Augenerkrankungen über den Dortmunder Kreis (DOK). Der DOK beschreibt seine Untersuchung ausdrücklich als Teil eines nationalen Untersuchungsprogramms mit dem Zweck, erbliche Augenkrankheiten festzustellen und damit die Gesunderhaltung der Rassen zu unterstützen.
Die Infrastruktur für klinische Augenuntersuchungen gibt es in Deutschland längst. Die Frage ist nicht, ob das möglich ist, sondern ob ein Verein es verpflichtend macht.
4) Was das für die Behauptung „es gibt keine Lösung“ bedeutet
Das DRC-Beispiel zeigt: Eine „Lösung“ besteht nicht aus einem Laborzettel, sondern aus einem System:
- klinische Augenuntersuchungen als Voraussetzung für Zuchtverwendung
- Wiederholung in festen Intervallen (24-Monats-Gültigkeit)
- definierte Regeln für Risikogruppen rund um PRA
- Einbindung eines spezialisierten Untersuchungsprogramms (DOK)
Diese Elemente sind in Deutschland vorhanden und in Retriever-Zuchtordnungen umgesetzt.
5) Direkter Kontrast zum DTK beim Dackel
Beim DTK-Dackel (Zuchtzulassung) sind in den von dir gezeigten ZEB als verpflichtende Gesundheitsüberprüfungen im Kern DNA-Tests genannt, aber keine verpflichtende klinische Augenuntersuchung im Sinne DOK/ECVO. Genau dieser Unterschied erklärt, warum Gentests beim Dackel oft als „Augenuntersuchung“ missverstanden werden, obwohl faktisch keine Augen untersucht wurden.
Quellen zu diesem Abschnitt
- Deutscher Retriever Club (DRC): Zuchtordnung Flat-Coated Retriever (u. a. Regel „Zuchtzulassung und Augenuntersuchung“ vor Deckakt).
- DRC Zuchtordnung Flat-Coated Retriever: Augenuntersuchung max. 24 Monate alt, sowie Regelungen zu Risikogruppen rund um PRA (Eltern/Nachkommen).
- Dortmunder Kreis (DOK): Nationales Untersuchungsprogramm, Zweck der Untersuchung erblicher Augenkrankheiten.
Fazit dieses Abschnitts
Ja — es gibt Lösungen, die funktionieren.
Andere Zuchtverbände haben sie umgesetzt und damit PRA über Jahre hinweg massiv reduziert oder praktisch eliminiert. Das zeigt: PRA ist nicht unvermeidlich.
Was beim Dackel fehlt, sind:
✅ verpflichtende klinische Diagnostik
✅ transparente Gesundheitsdaten für alle Nachkommen
✅ automatische Registrierung aller Befunde im Zuchtbuch
✅ Konsequente Nutzung der gewonnenen Daten für Zuchtentscheidungen
Das lässt sich ändern.
Und genau darüber liefert dieser Abschnitt den sachlichen, belegbaren Beweis.
Augenuntersuchungen beim Dackel in internationalen Zuchtordnungen
Ein Vergleich europäischer Zuchtordnungen zeigt deutliche Unterschiede darin, ob und wie augenärztliche Untersuchungen beim Dackel vor und während des Zuchteinsatzes geregelt sind. Während einige Länder verbindliche Pflichtuntersuchungen vorschreiben, setzen andere auf Empfehlungen, Transparenz und langfristige Gesundheitsbeobachtung.
Österreich
In Österreich ist die Augenuntersuchung beim Dackel verpflichtender Bestandteil der Zuchtzulassung. Vor dem Zuchteinsatz muss ein augenärztlicher Befund eines ECVO-zertifizierten Augenfachtierarztes vorliegen. Die Untersuchung ist zwei Jahre gültig. Bei bestimmten Diagnosen oder Grenzbefunden sieht die Zuchtordnung kürzere Untersuchungsintervalle bis hin zu jährlichen Kontrollen vor. Für eindeutig erbliche Augenerkrankungen wie PRA (Progressive Retinaatrophie) sowie bestimmte Kataraktformen gelten klare Zuchtfolgen bis hin zum Zuchtausschluss. Die Augenuntersuchung ist damit kein einmaliger Formalakt, sondern Bestandteil einer laufenden Gesundheitskontrolle während der Zuchtverwendung.
Schweden
In Schweden besteht für den Dackel keine verpflichtende Augenuntersuchung als Voraussetzung für den Zuchteinsatz. Diese Pflicht wurde vor einigen Jahren aufgehoben. Der schwedische Dackelclub empfiehlt jedoch ausdrücklich regelmäßige Augenuntersuchungen über die gesamte Zuchtlaufbahn hinweg. Vorgesehen sind Untersuchungen im Zusammenhang mit dem Zuchtbeginn sowie Wiederholungen im höheren Alter, insbesondere zur Erfassung spät auftretender Erkrankungen wie PRA.
Ein zentrales Element der schwedischen Zuchtstrategie ist die offene Datenbank Rasdata. In dieser öffentlich zugänglichen Datenbank werden Gesundheitsdaten, einschließlich Ergebnisse von Augenuntersuchungen, dokumentiert. Dadurch lassen sich auch bekannte PRA-Fälle und deren familiäre Zusammenhänge nachvollziehen. Das schwedische System setzt damit bewusst auf Transparenz und eigenverantwortliche Zuchtentscheidungen statt auf formale Zuchtverbote.
Dänemark
In Dänemark ist für den Dackel keine verpflichtende Augenuntersuchung vorgeschrieben. Der dänische Dackelclub spricht jedoch eine klare Empfehlung für augenärztliche Untersuchungen aus. Wird eine Augenuntersuchung durchgeführt, sollte der Befund zum Zeitpunkt der Verpaarung nicht älter als zwölf Monate sein. Der formelle gesundheitliche Schwerpunkt der dänischen Dackelzucht liegt auf der Wirbelsäule, insbesondere auf röntgenologischen Untersuchungen zur Bandscheibengesundheit. Augenuntersuchungen gelten ergänzend als sinnvoller Bestandteil verantwortungsvoller Zucht, sind jedoch nicht verpflichtend geregelt.
Schweiz
In der Schweiz gehören augenärztliche Untersuchungen zum festen Bestandteil des Gesundheitskonzepts in der Dachshundzucht. Die Zuchtorganisationen arbeiten mit standardisierten Untersuchungsformularen und festgelegten ECVO-Untersuchungsstellen. Die Augenuntersuchung ist Teil der Zuchtzulassungspraxis und wird in regelmäßigen Abständen erneuert, insbesondere im Zusammenhang mit dem aktiven Zuchteinsatz.
Italien und Slowenien
In Italien und Slowenien existieren Zuchtordnungen auf FCI-Basis, jedoch ohne landesweit einheitliche Verpflichtung zu regelmäßigen Augenuntersuchungen beim Dackel. Ob und in welchem Umfang Augenuntersuchungen verlangt werden, hängt dort häufig vom jeweiligen Zuchtverein oder Zuchtprogramm ab. Entsprechend unterschiedlich ist auch die praktische Umsetzung innerhalb der Dackelzucht.
Möchtest Du mehr über Dackelgesundheit wissen? Schau doch vielleicht auch mal unter Dackellähme oder unter den Dackelbüchern
Hier zurück zu Dackelwissen
