Folgsamkeit beim Dackel

Folgsamkeit ist ein Prüfungsfach in der Begleithundeprüfung und in jagdlichen Prüfungen. Geprüft wird ein klarer Ablauf: Bleib, weggehen, rund 50 Meter Distanz, umdrehen und den Dackel zügig abrufen. In einer anspruchsvolleren Variante wird er zuerst vorangeschickt, zurückgerufen und auf halber Strecke aus der Bewegung ins Platz gebracht.
Aber auch, wenn Du gar keine Prüfung planst, ist das ganze eine sinnvolle Gehorsamsübung für fortgeschrittenes Dackeltraining.
Das Kommando „Hier“

Ein eigenes Rückrufkommando für den Hundeplatz
Für die Folgsamkeit auf dem Hundeplatz wird bewusst ein neues Rückrufkommando eingeführt. Dieses Kommando soll sich klar von spielerischen oder freizeitmäßigen Rückrufen unterscheiden und den Dackel gedanklich in einen Arbeitsablauf bringen. In der Begleithundeprüfung, insbesondere außerhalb des Dackelclubs, wird häufig das Kommando „Hier“ erwartet. Auch unabhängig von formalen Vorgaben ist es sinnvoll, dieses Wort gezielt für den Prüfungs- und Trainingskontext zu reservieren.
Alltägliche Rückrufsignale wie „komm mal her“ sind bei vielen Dackeln emotional stark belegt und oft mit Bewegung, Spiel oder spontanen Situationen verknüpft. Für die Folgsamkeit ist jedoch ein ruhiges, klares und neutral aufgebautes Signal hilfreicher. Das Kommando „Hier“ erfüllt genau diese Funktion.
Der Aufbau erfolgt zunächst ohne Distanz. Der Dackel wird vor den Menschen in den Vorsitz gesetzt. Anschließend wird ruhig das Wort „Hier“ gesagt und unmittelbar belohnt. Dieser Ablauf wird mehrfach wiederholt. Das Kommando wird dabei nicht eingefordert, sondern klassisch konditioniert, ähnlich wie beim frühen Aufbau eines Rückrufs im Welpenalter. Der Dackel lernt zuerst nur eines: Auf das Wort „Hier“ folgt zuverlässig etwas Angenehmes.
Erst wenn das Wort eindeutig positiv belegt ist, wird es später in Bewegung, auf Distanz und im Zusammenhang mit der Folgsamkeitsübung eingesetzt. Die saubere Konditionierung bildet die Grundlage dafür, dass der Dackel das Kommando auch unter Prüfungsbedingungen klar und sicher umsetzen kann.
Der Vorsitz als Grundlage der Folgsamkeit
Ein fester Bestandteil des Moduls Grundgehorsam ist der sogenannte Vorsitz. Diese Übung wird vor allem von Teams benötigt, die eine Begleithundeprüfung, einen TeamTest oder hundesportliche Prüfungen absolvieren möchten. Gleichzeitig eignet sich der Vorsitz sehr gut als Vorübung für viele weitere Trainingsformen und Abläufe und ist damit auch unabhängig von einer Prüfungsabsicht sinnvoll.
Der grundsätzliche Aufbau ist einfach und klar strukturiert. Der Dackel befindet sich zunächst sitzend oder stehend in deiner Nähe. Du nimmst jeweils ein Leckerchen in die rechte und linke Hand, führst beide Hände zusammen und streckst sie dem Dackel entgegen. Währenddessen gehst du einige Schritte rückwärts. Anschließend ziehst du die Hände dicht am Körper nach oben. Folgt der Dackel dieser Bewegung und setzt sich korrekt vor dich, wird dieses Verhalten zuerst mit einem Lobwort oder Clicker bestätigt und anschließend direkt in der Position mit den Leckerchen belohnt. Danach wird der Dackel über ein Freigabesignal, zum Beispiel durch Wegwerfen eines Leckerchens und ein „OK“, aus dem Vorsitz entlassen.
Dieser Ablauf wird mehrfach wiederholt, bis der Dackel die Bewegung sicher versteht. Danach wird dieselbe Übung erneut durchgeführt, diesmal jedoch ohne Leckerchen in den Händen. Der Dackel sitzt oder steht wieder in deiner Nähe, du führst die Hände wie zuvor zusammen, streckst sie aus, gehst ein paar Schritte rückwärts und ziehst die Hände anschließend am Körper nach oben. Setzt sich der Dackel korrekt vor dich, folgt wieder die Bestätigung mit Lobwort oder Clicker und anschließend die Belohnung aus der Hand. Auch hier wird der Dackel nach der Übung wieder klar freigegeben.
Fällt es dem Dackel in dieser Phase noch schwer, kann jederzeit wieder mit Leckerchen in der Hand gearbeitet werden. Wichtig ist, dass die Übung ruhig und konzentriert durchgeführt wird. Kurze Trainingseinheiten von etwa fünf Minuten, maximal zwei- bis dreimal täglich, sind völlig ausreichend. Achte dabei darauf, dass der Dackel gerade vor dir sitzt. Sollte er schief landen, gehst du einfach ein paar Schritte zurück und setzt die Übung neu an.
Erst wenn du dir sicher bist, dass der Dackel den Vorsitz zuverlässig auch ohne sichtbare Belohnung ausführt, wird ein Signalwort eingeführt. Der Dackel befindet sich wieder in deiner Nähe, du gibst das gewählte Signalwort, zum Beispiel „Hier“, und führst anschließend die bekannte Handbewegung aus. Das Signalwort wird dabei kurz vor der Bewegung gegeben. Setzt sich der Dackel korrekt vor dich, wird er wie zuvor bestätigt und belohnt und anschließend wieder freigegeben.
Der Vorsitz bildet damit eine stabile Grundlage für die weitere Arbeit an der Folgsamkeit und lässt sich später problemlos in komplexere Abläufe integrieren.
Abschluss der Basisübung: Bleib und Rückruf kombinieren
Für den Abschluss der Basisausbildung wird die Folgsamkeit mit dem Bleib kombiniert. Voraussetzung dafür ist, dass sowohl das Bleib als auch der Rückruf auf den vorherigen Seiten bereits sicher aufgebaut wurden. Diese Kombination wird erst dann geübt, wenn der Dackel beide Elemente zuverlässig beherrscht.
Hier kannst Du noch mal nachlesen
Der Ablauf ist einfach und klar: Der Dackel wird abgesetzt, anschließend gehst du etwa fünfzig Meter von ihm weg. Erst wenn du diese Distanz erreicht hast, drehst du dich zu ihm um. An diesem Punkt kommt ein entscheidendes Element ins Spiel, das für den weiteren Verlauf der Übung von zentraler Bedeutung ist.
Nach dem Umdrehen wird gewartet. Mindestens zehn Sekunden. In dieser Zeit passiert nichts. Der Dackel darf unter keinen Umständen den Eindruck bekommen, dass er den Rückruf vorwegnehmen kann, weil gleich ohnehin das Kommando folgt und eine Belohnung wartet. Genau diese Erwartung würde die Übung beschädigen.
Steht der Dackel während dieser Wartezeit auf oder macht sich bereits auf den Weg zu dir, wird die Übung sofort unterbrochen. Du gehst ruhig zu ihm zurück, bringst ihn kommentarlos an genau die Stelle zurück, an der er gesessen hat, setzt ihn dort erneut ab und gehst wieder auf Distanz. Erst danach beginnt der Ablauf von vorne.
Dieses Vorgehen ist kein Detail, sondern ein zentraler Bestandteil der Übung. Der Dackel lernt dadurch, dass nicht seine eigene Entscheidung zählt, sondern ausschließlich das Signal. Nur so entsteht eine echte Folgsamkeit, bei der der Hund zuverlässig wartet, bis er tatsächlich gerufen wird.
Erst wenn der Dackel ruhig im Bleib bleibt, die Distanz akzeptiert und das Warten aushält, folgt das Kommando Hier und der Rückruf in den Vorsitz. Genau diese Klarheit macht die Übung stabil und prüfungstauglich, aber auch im Alltag sinnvoll.
Ebenso kann es sein, dass der Dackel sich hinlegt, um es sich ein wenig gemütlich zu machen. Das erlauben wir auf gar keinen Fall. Wir laufen dann sofort hin und bringen ihn ins Sitz!
Merke:
- Niemals wird aus dem Platz abgerufen
- Niemals tolerieren wir ein vorzeitiges starten
Achtung:
Das Abrufen aus dem „Bleib“ erfolgt höchsten in 1 von 10 Fällen! Das heißt: wenn wir einmal den Hund abgerufen haben, so wie es in der Prüfung erwartet wird, gehen wir mindesten 9 mal zurück, um ihn abzuholen.
Die Übungen würde sich also in 9 von 10 Fällen wie folgt gestalten:
Dackel absetzen, 50 m weggehen, umdrehen, 10 Sekunden warten, dann zurückgehen, Keks in den Dackel und vor Ort mit einem fröhlichen Spiel die Übung auflösen.
So: ⬆️Herzlichen Glückwunsch, an dieser Stelle kannst Du alles, was Du für die einfache Begleithundeprüfung benötigst.
Die Folgsamkeit kritisch betrachtet

Fortgeschrittene Varianten, sinnvoll, aber kritisch betrachtet
Im DTK ist die Folgsamkeit in verschiedenen Schwierigkeitsstufen aufgebaut. Je anspruchsvoller die Ausführung, desto mehr Punkte lassen sich in der Begleithundeprüfung erreichen. Grundsätzlich sind diese Varianten sinnvoll und haben ihre Berechtigung. Entscheidend ist jedoch, wie oft und mit welchem Ziel sie trainiert werden.
Eine häufig genutzte Variante ist das Voranschicken mit anschließendem Abstoppen am Ende der Strecke. Diese Übung eignet sich gut, um zu überprüfen, wie zuverlässig sich ein Dackel aus vollem Lauf kontrollieren lässt. Für weiterführende Arbeit kann das wichtig sein, und auch im Alltag gibt es Situationen, in denen ein solches Abstoppen hilfreich ist. Trotzdem hat diese Übung einen klaren Nachteil: Sie wirkt sich fast immer auf die Geschwindigkeit des Vorans aus.
Je häufiger ein Dackel aus dem Voran gestoppt wird, desto mehr rechnet er mit dieser Unterbrechung. Viele Hunde beginnen dann automatisch, ihr Tempo deutlich vorzeitig zu reduzieren. Der Gedanke des Dackels dabei ist simpel: Wenn ohnehin gleich gestoppt wird, lohnt es sich nicht, maximal schnell zu laufen. Genau aus diesem Grund sollte das Stoppen aus dem Voran nur sehr dosiert eingesetzt werden. Ein sinnvolles Verhältnis ist etwa zwanzig schnelle Vorans ohne Stopp zu einer Einheit, in der gezielt gestoppt wird. Alles andere geht in der Regel zulasten der Dynamik.
Dasselbe Prinzip gilt für die umgekehrte Variante innerhalb der Folgsamkeit, bei der der Dackel abgesetzt, gerufen und auf halber Strecke aus der Bewegung ins Platz gebracht wird. Diese Ausführung bringt zusätzliche Punkte und sieht , gut gemacht, oft spektakulär aus. Dennoch hat auch sie ihren Preis. Jeder Stopp aus der Bewegung bremst langfristig das schnelle, entschlossene Zurückkommen auf das Kommando „Hier“.
Um das Tempo zu erhalten, muss auch hier das Verhältnis stimmen. Etwa zwanzig Rückrufe ohne Unterbrechung auf einen Rückruf mit Platz in der Mitte sind ein sinnvoller Rahmen. Betrachtet man den Trainingsaufwand, wird schnell klar, wie viele Wiederholungen notwendig sind, bis das Platz aus vollem Lauf wirklich sicher sitzt. Das ist möglich, keine Frage, und es gibt Dackel, die diese Übung beeindruckend zeigen. Manche stoppen aus vollem Galopp, ziehen alle vier Füße unter sich und liegen augenblicklich. Das sieht großartig aus und wird in der Prüfung zu Recht mit der vollen Punktzahl belohnt.
Trotzdem muss man ehrlich abwägen. Gerade bei Dackeln, die ohnehin eher gemütlich unterwegs sind, ist das Risiko hoch, dass solche Übungen das Grundtempo dauerhaft senken. Bei sehr triebstarken, schnellen Dackeln aus jagdlich geprägten Linien lässt sich damit oft besser arbeiten. Auch hier bleibt jedoch die Frage, welches Ziel man verfolgt.
An diesem Punkt sollte jede Hundeführerin und jeder Hundeführer eine klare Entscheidung treffen. Geht es darum, möglichst spektakuläre und hoch bewertete Leistungen in der Begleithundeprüfung zu zeigen, oder geht es darum, die Prüfung sicher zu bestehen und einen verlässlichen, folgsamen Dackel im Alltag zu haben. Beides ist legitim, aber beides erfordert unterschiedliche Trainingsschwerpunkte.
Für das Bestehen der Begleithundeprüfung sind die beschriebenen Basisübungen vollkommen ausreichend. Alles, was darüber hinausgeht, ist optional und sollte bewusst, sparsam und immer mit Blick auf den eigenen Dackel eingesetzt werden.
Wenn Du mehr wissen willst, wie Du das Kommando „voran“ sicher aufbaust, dann schau gern hier:


